Jahreslosung 2019

 

Suche Frieden und jage ihm nach!

Psalm 34,15

Über der Haupteingangstür unseres Kirchraums ist ein Fenster, das auf unserem Titelblatt zu sehen ist. Normalerweise beachten wir es nicht. Es ist eins der vielen Fenster in unserem Gemeindezentrum. Aber in einer ruhigen Stunde fiel mir auf, dass ich durch dieses Fenster etwas sehe, was da gar nicht ist. Das gegenüberliegende Fenster, das den Blick auf unseren Glockenturm freigibt, spiegelt sich darin. Immer wieder musste ich nachsehen, welche Holzdeckentäfelung und welche Lampen ich denn sehe, die vom Kirchraum oder die vom Foyer?

Ich schaue in eine Richtung und sehe das, was hinter mir liegt. Beim Spiegel sind wir es gewöhnt und wissen auch, dass das, was wir sehen, seitenverkehrt ist. Aber doch vergessen wir es leicht und wenn wir versuchen, diagonal etwas an unserem Aussehen zu ändern, dann merken wir die Schwierigkeit. Oder wenn eine Schrift nicht mehr lesbar ist, weil die Buchstaben verkehrt herum zu sehen sind. Horizontal stimmt alles noch. Der Kopf ist oben und die Beine unten, aber die Seiten sind ausgetauscht.

Mir scheint, dass solche Spiegelbilder uns nachdenklich machen können, überhaupt vorsichtig zu sein mit dem, was wir wahrnehmen. Wir meinen etwas oder jemanden zu kennen und dann geschieht etwas oder wir hören etwas, was überhaupt nicht in unser Bild passt. In der Regel werden wir das erst einmal ignorieren und beiseite schieben, so lange bis wir den Fakten nicht mehr ausweichen können. Wir ändern nicht gern unsere Ansichten, die wir von einem Geschehen oder einer Person haben, zumal wenn wir oft und gern anderen davon erzählt haben, also von der Richtigkeit voll überzeugt waren. Nur sehr starke Persönlichkeiten schaffen es, dies zuzugeben.

Immer wieder gilt es zu fragen: Sehe ich das, was da ist oder ist es in Wirklichkeit doch ganz anders? „Irren ist menschlich“, sagt das Sprichwort. Es ist keine Schande. Wenn es aber um Menschen geht, mit denen mich eine Beziehung verbindet, dann geht es um mehr. Ich verliere mehr als nur eine Ansicht, in der Regel das Vertrauen. Aber muss das sein? Ich könnte mich ja auch einfach nur wundern und staunen, wie viel komplizierter dieser Mensch ist, als er oder sie mir bisher erschien, was alles in ihm/ in ihr steckt, was ich bisher noch nicht zur Kenntnis genommen habe, also die Sache betrachten, wie ein Wissenschaftler, der sich freut, eine neue Entdeckung gemacht zu haben.

Vertrauen zu unserem Schöpfer ist da sehr hilfreich, vor allem, wenn es um Konflikte geht und darum, „dem Frieden nachzujagen“, wozu uns die Jahreslosung 2019 auffordert. 


Ihre Pastorin Katharina Dang